Bergtour auf den Kratzer in den Allgäuer Alpen

Zuletzt aktualisiert am 12. April 2024
  • Gesamtlänge 17,8 km
  • Höhenmeter bergauf: 1.330, 5 Stunden
  • Höhenmeter bergab: 1.330, 3,5 Stunden
  • Gesamtgehzeit: 8,5 Stunden
  • höchster Punkt: 2.427
  • Schwierigkeitsgrad: schwer – (T4 SAC-Skala)
  • Einkehrmöglichkeiten auf der Tour: ja
  • Wegbeschaffenheit: breite Wanderwege und schmale Bergpfade, im Gipfelbereich weglos, felsig, schottrig und ausgesetzt

Diese anspruchsvolle Bergtour führt auf den 2427 Meter hohen Kratzer, oberhalb der Kemptner Hütte bei Oberstdorf.


Der Kratzer, oberhalb der Kemptner Hütte, ist vom Oberallgäu aus gesehen eine markante und durchaus imposante Erscheinung. Der mehrzackige Gipfelaufbau liegt in direkter Nachbarschaft zu Mädelegabel, Trettach und Hochfrottspitze.

Und dennoch bleibt er bei den Touren entlang des Heilbronner Wegs meist »links liegen«. Letztlich führt kein markierter Weg auf die zerklüftete Felsformation die im Grunde aus mehreren Gipfeln besteht.

Das findest Du in dieser Tourenbeschreibung

  1. Aufstieg aus Richtung Holzgau im Lechtal
  2. Alternativer Aufstieg aus Richtung Oberstdorf
  3. Übergang Richtung Heilbronner Weg
  4. Aufstieg zum Kratzer
  5. Namensgebung
  6. Karte zur Bergtour
  7. Weitere Infos und Tipps zur Tour
Das Gipfelkreuz auf dem Westgipfel des Kratzer, hinten seine berühmten Nachbarn, Mädelegabel und Trettachspitze
Das Gipfelkreuz auf dem Westgipfel des Kratzer, hinten seine berühmten Nachbarn, Mädelegabel und Trettachspitze

Der Aufstieg zum Westgipfel des Kratzer ist von Süden aus relativ gut machbar. Gemeint ist der finale Aufstieg, nicht die Frage, ob man vom Allgäu oder lieber vom Lechtal aus startet.

Aber auch hier ist Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und eine gute Einschätzung der Geländesituation erforderlich. Im Schlussabschnitt wartet leichte Kletterei an den II. Schwierigkeitsgrad heran. Die Bergtour auf den Kratzer ist durchaus mit T5 in der SAC Wanderskala zu bewerten, wenngleich die größten Schwierigkeiten sich auf den Gipfelbereich und die letzten 80-90 Höhenmeter beschränken.

Auf dem nach Westen ausgesetzten Übergang zum Gipfel
Auf dem nach Westen ausgesetzten Übergang zum Gipfel

Der Fels ist dort meist fest. Dennoch sollte im ausgesetzten Gelände jeder Griff und jeder Tritt doppelt kontrolliert werden.

Aufstieg aus Richtung Holzgau im Lechtal

Für den Zustieg haben für diese Gipfelbesteigung Holzgau als Talort gewählt. Der Weg durch das Höhenbachtal ist deutlich kürzer wie der alternative Zustieg von Norden.

Der Zustieg ins Höhenbachtal mit der Hängebrücke
Der Zustieg ins Höhenbachtal mit der Hängebrücke

Zu Beginn geht es am Bach entlang in Richtung Simms Wasserfälle. Die Hängebrücke wird unterhalb passiert, kann aber auf dem Hin- oder auch auf dem Rückweg zusätzlich in die Tour eingebaut werden.

Auf einem breiten Weg geht es am Erlebnisklettersteig Simms Wasserfälle und dem Café Uta vorbei ins Tal.

Auf dem Weg Richtung Simms Wasserfall
Auf dem Weg Richtung Simms Wasserfall

Ohne große Steigungen ist die Untere Roßgumpenalpe nach etwa einer Stunde erreicht. Hier beginnt der eigentliche Aufstieg auf das Mädelejoch. Ein schöner Bergpfad der zunächst durch den Wald, dann durch Latschen bewachsenes Gebiet bis über die Baumgrenze führt.

Die Untere Roßgumpenalpe
Die Untere Roßgumpenalpe

Die Lechtaler Berge ,mit der markanten Holzgauer Wetterspitze bauen sich im Süden auf, während mit zunehmender Höhe der Große Krottenkopf seinen massigen Gipfelaufbau zeigt. Und auch der Kratzer ist zu Beginn des Aufstiegs bereits zu erkennen, verschwindet aber mit zunehmender Höhe und zeigt sich erst kurz vor Erreichen des Jochs wieder. Nach etwa einer weiteren Stunde sind die 600 Höhenmeter überwunden.

Blick zurück nach Holzgau
Blick zurück nach Holzgau
Muttlerkopf, Öfnerspitze und Großer Krottenkopf
Muttlerkopf, Öfnerspitze und Großer Krottenkopf

Alternativer Aufstieg aus Richtung Oberstdorf

Alternativ zum Aufstieg aus dem Lechtal kannst Du die Bergtour auf den Kratzer natürlich auch von Oberstdorf und über die Kemptner Hütte angehen.

Hier lohnt sich allerdings die Zuhilfenahme eines Fahrrads um den langen Weg vom Ortsrand von Oberstdorf in die Spielmannsau abzukürzen.

Die Tour beginnt als leichte Wanderung am südlichen Ortsende von Oberstdorf. Rechts der Trettach führt ein gut ausgebauter Wanderweg über kleine Stege zunächst zum Café Jägerstand. Eine Brücke führt auf die andere Seite der Trettach und es geht auf einem breiten Schotterweg, vorbei an der Abzweigung zum Oytal, zum Café Gruben-1a.

Weg Richtung Spielmannsau
Weg Richtung Spielmannsau, links der Kratzer

Hinter dem Ausflugslokal bleibst Du immer auf der linken Seite der Trettach und wanderst weiter in Richtung Dietersberg. Das liegt gut 2,5km hinter Gruben und markiert auch den den Einstieg zum Hölltobel, der hinauf nach Gerstruben führt.

Von dort geht es immer weiter südwärts, bis zum Gasthof Spielmannsau. Kurz nach dem Gasthof kommt die Alpe Oberau in Sicht. Bis hierher ist der Zustieg im Grunde flach und beginnt nun erstmals richtig zu steigen.

Am Ende der Spielmannsau bleibt das Rad in der Nähe der Materialbahn der Kemptner Hütte stehen. Anschließend geht es in Richtung Sperrbachtobel. Zunächst durch den Wald, dann durch dichtes Buschwerk, steig der Weg mehr und mehr an. Du querst zweimal die Trettach und steigst anschließend auf der linken Seite durch den Sperrbachtobel hinauf auf die Alpenvereinshütte.

Von hier geht es anschließend zum Mädelejoch, wo Du auf den beschriebenen Zustieg aus Richtung Holzgau triffst.

Der Aufstieg von Oberjoch über die Spielmannsau und den Sperrbachtobel zur Kemptener Hütte ist teil des vielbegangenen Europäischen Fernwanderweg Nummer 5. Und auch andere Wanderer zeiht es entweder bis zur Spielmannsau und weiter auf die Schutzhütte des DAV. Daher musst Du in der Hauptsaison mit ziemlich vielen Gleichgesinnten rechnen. Ab dem Mädelejoch wird es in der Regel aber deutlich ruhiger, da der Hauptstrom dann auf den Spuren des E5 in Richtung Holzgau wandert.


In Richtung Heilbronner Weg

Kurz nach dem Mädelejoch
Kurz nach dem Mädelejoch

Auf dem Mädelejoch geht es links ab in Richtung Rappenseehütte. Der teils stark frequentierte Teil des Wegs endet hier. Zwar ist der Heilbronner Weg ebenso ein beliebter Höhenweg, wird aber meist in entgegengesetzter Richtung, von der Rappenseehütte kommend begangen. Der beliebte E5 hingegen führt täglich zahlreiche Wandergruppen von der Kemptner Hütte in Richtung Holzgau.

Auf dem Weg Richtung Mädelegabel
Auf dem Weg Richtung Mädelegabel

Weitere 260 Höhenmeter bergauf schließt sich bald ein relativ flaches Stück des Wegs an. Es geht mit herrlichem Panoramablick auf der Südseite des Kratzer in Richtung Mädelegabel.

Höhenweg zum Einstieg auf den Kratzer
Höhenweg zum Einstieg auf den Kratzer

Dann, knapp 2 Kilometer nach dem Mädelejoch, stehst Du unterhalb des West- und des Hauptgipfel des Kratzers. Der markierte Weg führt weiter in Richtung Mädelegabel. Rechts ab folgt nun der weglose Aufstieg zum Westgipfel, dessen Gipfelkreuz im Zustieg bereits zu erkennen war.

Der weglose Aufstieg zum Westgipfel, ganz links die langgezogene Schotterrinne, darüber der Westgipfel und die Scharte
Der weglose Aufstieg zum Westgipfel, ganz links die langgezogene Schotterrinne, darüber der Westgipfel (ganz links außen) und daneben gelegene Aufstiegscharte

Aufstieg zum Kratzer

Wenn der Hochvogel der König der Allgäuer Alpen ist, die Höfats die Königin, dann dürfte der 2427 Meter hohe Kratzer die Krone sein, oder die zugehörige Burg. Zumindest von seiner Gestalt.

So adelig präsentiert er sich allerdings bei näherer Betrachtung nicht! Der Gipfelbereich ist stark zerklüftet. Schotterrinnen, teils steil abfallende Wände und nicht immer wirklich fester Fels prägen seinen Charakter.

Bis man in diesen Bereich gelangt, gilt es aber noch die steilen Gras- und Schrofenhänge unterhalb des Westgipfels zu bewältigen.

Nach dem Steinbock geht es links in Richtung der schmalen Scharte - die rechte Scharte führt nicht auf den Westgipfel
Nach dem Steinbock geht es links in Richtung der schmalen Scharte – die rechte Scharte führt nicht auf den Westgipfel

150 steile Höhenmeter führen zunächst über Gras, dann durch über rutschige Schotterflächen in felsigeres Gebiet. Als Orientierung dient zunächst eine ausgeprägte Schotterrinne, die sich unterhalb des Westgipfels und einem weiteren Felsaufbau durch die Wiesen nach oben zieht.

Die letzten Meter zur Scharte
Die letzten Meter zur Scharte

Anschließend orientierst Du Dich an der links gelegenen Scharte. Kurz vor Erreichen des Felsbereichs sind deutliche Pfadspuren zu erkennen, die sich im Zickzack nach oben ziehen. Dann geht es durch teils loses, teils festgebackenes Geröll in die Scharte rechts des Westgipfels.

Aufstieg zur Scharte unterhalb des Westgipfel
Aufstieg zur Scharte unterhalb des Westgipfel
Aufstieg durch loses Geröll
Aufstieg durch loses Geröll

Auf der Scharte angekommen zieht sich ein gute erkennbares Band, teilweise mit Steinmännchen markiert, dem Gipfel entgegen. Wer lieber Fels bevorzugt, kann dem Steig zu Beginn nach links ausweichen und gelangt so in leichter Kletterei auf einen ausgesetzten Rücken der einen der Felstürme mit dem Westgipfel verbindet.

Ab der Scharte wird es fester und felsiger
Ab der Scharte wird es fester und felsiger

Nun sind es nur noch ein paar konzentrierte Tritte und Griffe, bevor der Gipfel mit dem beeindruckenden Rundumblick erreicht ist.

Neben Hohem Licht, Mädelegabel, Hochfrottspitze und Trettach im Westen, breitet sich in nördlicher Richtung das Panorama über Oberstdorf, dem Hindelanger Klettersteig, Höfats und Rauheck bis zum Hochvogel aus. Weiter östlich der bereits erwähnte Große Krottenkopf und die Öfnerspitze, im Süden die Lechtaler Gipfelparade.

Der Kratzer Westgipfel
Der Kratzer Westgipfel
Der Kratzer Westgipfel vorn, hinten Hohes Licht, Bockkarkopf, Hochfrottspitze, Mädelegabel und Trettach
Der Kratzer Westgipfel vorn, hinten Hohes Licht, Bockkarkopf, Hochfrottspitze, Mädelegabel und Trettach
Höfats, Schneck und Hochvogel, unten die Kemptner Hütte
Höfats, Schneck und Hochvogel, unten die Kemptner Hütte
Die letzten Meter, hinten der Hauptgipfel des Kratzer
Die letzten Meter, hinten der Hauptgipfel des Kratzer
Mädelegabel und Trettach vom Kratzer aus gesehen
Mädelegabel und Trettach vom Kratzer aus gesehen

Nach einer ausgiebigen Rast unterhalb des Gipfels, hier ist der Rücken in nördlicher Richtung breit und bietet gute Sitzmöglichkeiten, geht es auf dem identischen Weg wieder zurück ins Tal.


Bergstöcke
Bergstöcke können gerade im Abstieg durch die steile Schotterrinne wertvolle Dienste leisten.

Namensgebung und Herkunft

Die Recherchen von Thaddäus Steiner haben ergeben, dass bereits 1627 über den Berg mit seinem markanten Gipfelaufbau berichtet wurde. Ob damals schon die Bergtour auf den Kratzer beleibt war, ist nicht überliefert.

Er schreibt jedenfalls in seinem Buch der Allgäuer Bergnamen: „Das von mehreren Gipfel und Zacken charakterisierte Massiv wurde mit einem Instrument zum Kratzen, einer Kratze, verglichen und als Bergname motiviert, wie Riffler zu Riffel. Im Ötztal ist aber schon für das Instrument selbst die Form Kratzar belegt (Schatz Tiroler Wb., Bd. 1, S.354).“

Quelle: Allgäuer Bergnamen von Thaddäus Steiner, erschienen im Kunstverlag Josef Fink
Allgäuer Bergnamen*
  • Steiner, Thaddäus (Autor)

Karte zur Bergtour auf den Kratzer

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Weitere Informationen

Weitere Infos und Tipps

Anfahrt und Parken
Aus Richtung Reutte in Tirol kommend geht es auf der Bundesstrasse in das Lechtal. Die B198 führt direkt durch den Holz Holzgau.

Kurz vor dem Gasthof Bären, auf der rechten Bachseite des Höhenbach, gibt es einen gebührenpflichtigen Wanderparkplatz. Die Tagesgebühr beträgt 3,00€ (Stand August 2022).


Einkehrmöglichkeiten
Im Verlauf der Bergtour auf den Kratzer kommst Du im Höhenbachtal am Ausflugslokal Café Uta und im weiteren Aufstieg an der ebenfalls bewirtschafteten Unteren Roßgumpenalpe vorbei. Mit einem Abstecher vom Mädelejoch ist auch die Kemptner Hütte in gut 20 Minuten zu erreichen.

Wer von Oberstdorf und den Sperrbachtobel aufsteigt, kommt an verschiedenen Lokalen vorbei. Kurz vor der Talstation Materialbahn der Kemptner Hütte lohnt sich beispielsweise die Einkehr in der Alpe Oberau.


Sehenswert
Unweit der Unteren Roßgumpenalm lohnt sich ein kurzer Abstecher zu diesem wunderschönen Wasserfall. Schilder weisen den Weg.

Der Wasserfall unweit der Unteren Roßgumpenalm
Der Wasserfall unweit der Unteren Roßgumpenalm

Alpine Gefahren
Auf der Bergtour zum Kratzer gibt es keine installierten Hilfsmittel wie Drahtseile oder ähnliches. Schwindelfreiheit, Trittsicherheit und Erfahrung in der Orientierung im alpinen Gelände sind sehr wichtig, da es teils weglos und ohne Markierungen nach oben geht. Der schottrige Untergrund im Gipfelbereich erschwert nicht nur den Auf- sondern auch den Abstieg.

Absturzgefahr ist definitiv vorhanden, daher ist die Bergtour in der SAC-Wanderskala mit T4 bis T5 zu bewerten!


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