Zuletzt aktualisiert am 21. Dezember 2025
Es gibt Regionen, die sich nicht auf den ersten Blick öffnen. Osttirol gehört dazu. Eingebettet zwischen hohen Gebirgsketten, fernab großer Verkehrsachsen, hat sich der Bezirk viel von seiner Ursprünglichkeit bewahrt. Genau das macht ihn heute zu einem besonderen Ziel für alle, die Natur, Berge und echte Ruhe suchen. Und mittendrin: ein Fluss, der Geschichte geschrieben hat. Die Isel. Und ein Weitwanderweg, der ihr folgt: unterwegs am Iseltrail – Osttirols Wilder Fluss.

Osttirol ist ein Sehnsuchtsort für viele Bergwanderer und Weitwanderer. Da sind die anspruchsvollen Touren auf den Großglockner. Das sind aber auch die leichten Wanderungen wie die zum Naturjuwel „Pfauenauge“ oder durch die Dabaklamm. Und das sind die hohen und konditionell anspruchsvollen Weitwanderwege, wie die Glocknerkrone. Und auch der Iseltrail zählt zu jenen Weitwander- und Etappenwegen, über die es sich lohnt zu schreiben. Und über die es lohnt nachzudenken und eventuell in die Tourenplanung mit aufzunehmen.

Der Iseltrail ist keine „schnelle“ Tour. Er ist eine Einladung, langsamer zu werden, in „den Flow“ zu kommen, und einem Fluss wirklich zu folgen.
Du wanderst nicht einfach von A nach B, sondern begleitest die Isel als einer der Lebensadern der Osttiroler Landschaft. Es geht von den ruhigen Schotterbänken bei Lienz bis zu den mächtigen Wasserfällen im Hochtal.
Wenn Du ursprüngliche Natur liebst, Dich für Wasser, Berge und Geschichten interessierst und lieber bewusst als „verbrauchend“ unterwegs bist, dann gehört der Iseltrail auf Deine Liste. Und genau deshalb freue ich mich über diesen Gastbeitrag, der erstmals im Mondberge Magazin erschienen ist.
Die Isel im Überblick
- Die Isel ist ein rund 57 Kilometer langer Gebirgsfluss in Osttirol.
- Quelle: am Umbalkees-Gletscher im Nationalpark Hohe Tauern
- Mündung: in die Drau bei Lienz
- Besonderheit: der Fluss ist über seine gesamte Länge frei fließend. Es gibt keine Staumauern, keine Ableitungen und keine Verbauung
- Schutzstatus: seit 2018 Natura 2000 Europaschutzgebiet
- Highlight-Erlebnisse: Umbalfälle, Katarakte, Hängebrücke bei Virgen
- Damit ist die Isel ähnlich dem Oberlauf des Lech nahezu einzigartig: ein Wildfluss, der seine eigene Dynamik bis heute behalten durfte
Vom bedrohten Naturjuwel zum touristischen Highlight
Dass Besucher heute noch ein großartiges Spektakel entlang tosender Wassermassen erleben können, ist indes nicht selbstverständlich. In den 1970-er Jahren sollte nämlich ein von der Isel gespeister gewaltiger Speichersee zur Stromerzeugung mit einer 220 Meter hohen Staumauer errichtet werden. Dem vom Lienzer Naturschützer Wolfgang Retter – nomen est omen – und seinen Unterstützern organisierten Widerstand ist es schließlich zu verdanken, dass dieses Großprojekt schließlich ad acta gelegt wurde.

Für den Tourismus in Osttirol entwickelte sich die in 2018 erfolgte Ausweisung als Natura 2000 Europaschutzgebiet zu einem echten Glücksfall. Herausragende Erlebnisse wie die Katarakte der Isel, vor allem die beliebten Umbalfälle, oder die Flussüberquerung über die 84 Meter lange und 90 Meter hohe Hängebrücke bei Virgen sind international bekannte Besucherattraktionen. Sie bilden neben dem Nationalpark die Basis für eine nachhaltige touristische Wertschöpfung in den Gemeinden der Region.
Folge Deinem Fluss
Um die sensible Natur zu schützen und nicht nur bergerfahrenen Wanderern unmittelbare Zugänge und damit unvergessliche Erlebnisse zu verschaffen, fand die Idee, entlang der Isel einen Weitwanderweg zu installieren, große Unterstützung durch den Tourismusverband. Die im Sommer 2020 eingeweihte Route gliedert sich auf einer Gesamtlänge von 73,7 Kilometern in individuell wählbare Teilstücke.

Mit einem eigenen Logo, dem Claim „Folge Deinem Fluss“, Infotafeln, der Nutzung bestehender Wege und behutsam errichteten Aussichtsplattformen gelang es, eine inzwischen weithin bekannte natur-touristische Leitmarke zu entwickeln.
In weiten Bereichen ihres Laufes erfüllt die Isel mit ihrem türkisfarben-milchigen Wasser das enge Tal mit tosendem Rauschen. Gischtende Abstürze wie der in einer grünen Schlucht versteckte Daberer Wasserfall, felsdurchsetzte wilde Passagen bei Virgen, pittoresk mit Flechten überzogene Gletscherfindlinge, bemooste Altbäume am Ufer – sind nur einige der vielen Höhepunkte, die Freunde einer ursprünglichen Natur entlang des Weges erwarten.

Am Unterlauf zeigt die Isel schließlich ein zahmeres, aber ebenfalls faszinierendes Gesicht. Durch die Schmelzwasser kommt es im Sommer zu täglich vorkommenden kleinen Überflutungen der Schotterbänke, wodurch besondere Habitate entstehen, die seltenen und geschützten Arten wie etwa der Deutschen Tamariske ein Überleben ermöglichen. Ohne diese periodischen Überflutungen würde sie von anderen Arten verdrängt werden.
Den gesamten Beitrag mit vielen weiteren Details findest Du zum Nachlesen im Online-Magazin Natur nachhaltig erfahren.

