Der Kaiserjägersteig

Kaiserjägersteig – Klettersteig auf den Kleinen Lagazuoi

Der Kaiserjägersteig ist nur in ganz wenigen Abschnitten ein Klettersteig. Man könnte ihn mehr als alpine Steiganlage bezeichnen. Aber da ist noch mehr. Viel mehr!!!

Ursprünglich habe ich mir diesen leichten Klettersteig im Schwierigkeitsgrad A als entspannte Tour während meiner Auszeit in Südtirol ausgesucht. Gleich vorweg genommen. In Sachen Schwierigkeit ist der Kaiserjägersteig tatsächlich entspannt zu gehen. In Sachen Panorama, wie so viele Touren rund um Alta Badia, einfach grandios. Ich erinnere da gerne an die herrliche, aber deutlich anspruchsvollere 4-Peaks-Tour.

Beeindruckendes Panorama mit Marmolada und Piz Boe
Beeindruckendes Panorama mit Marmolada und Piz Boe

Aber die Tour hat noch eine andere, eine im wahrsten Sinne des Wortes Dunkle Seite, die sie so einzigartig macht.

Im Felsentunnel am Lagazuoi
Im Felsentunnel am Lagazuoi

Aufstieg zum Kaiserjägersteig

Die Bergtour beginnt am Parkplatz der Lagazuoi Bergbahn, direkt auf der Passhöhe des Falzarego Pass.

Blick vom Parkplatz zur Bergstation am Lagzuoi
Blick vom Parkplatz zur Bergstation am Lagzuoi

Zunächst auf einem breiten Schotterweg unterhalb der Seilbahn, dann bald links ab. Der Abzweig war zum Zeitpunkt meiner Tour nicht beschildert, aber gut zu erkennen. Dem breiten Schotterweg folgend würde es in Richtung der »Galleria« – dem Felsentunnel gehen, der später den Abstieg vom Piccolo Lagazuoi sein wird.

Der Aufstieg zum Kaiserjägersteig beginnt
Der Aufstieg zum Kaiserjägersteig beginnt

Unterhalb des Bergstocks geht es zunächst mäßig, dann immer steiler in Richtung des Einstiegs in den Kaiserjägersteig. Es gibt immer wieder kleine Pfade, die vom Hauptweg abzweigen und sich später wieder mit ihm vereinen. Die Schützengräben entlang des Weges lassen erahnen, was auf der Tour noch folgen wird.

Der Aufstiegsweg
Der Aufstiegsweg

Schließlich steigt der Weg immer steiler. In vielen, mit Holzstämmen gefassten Kehren geht es in Richtung Felswand. Dann zieht sich der Weg im Fels dem Einstieg entgegen. Ungesichert, aber nicht ausgesetzt geht es in einer Rinne nach oben. Die ist teils mit Klammern im Fels bestückz, aber auch mit großen Holzbalken, die als Stufen dienen.

Es geht in die Felswand - die mit Holzbalken gesicherte Route ist bereits zu erkennen
Es geht in die Felswand – die mit Holzbalken gesicherte Route ist bereits zu erkennen

Das Herzstück des Steigs

Kurz vor der hölzernen Hängebrücke beginnen die Sicherungen im Fels. Auf einem relativ breiten aber dennoch ausgesetzten Band geht es flach zum Herzstück des Klettersteigs. Die Hängebrücke ist sehr stabil und nicht mit einer Seilbrücke zu vergleichen.

Im Anschluss führt die Route wieder steiler nach oben. Die Sicherungen sind spärlich, aber immer an den wichtigsten Stellen angebracht. Der Schwierigkeitsgrad A wird dabei nie überschritten.

Die hölzerne Hängebrücke im Kaiserjägersteig
Die hölzerne Hängebrücke im Kaiserjägersteig

Die Topo zur Tour macht deutlich, dass der Klettersteig mit vielen Gehpassagen aufwartet. Die sind ohne Sicherung, aber auch ohne Probleme zu meistern.

Im Grunde stellt der Bereich um die Brücke den anspruchsvollsten Part dar. Und der ist nicht allzu lang. Kurz nach Beginn des Kaiserjägersteig wird der Klettersteig selbst, wie auch das unbeschreiblich schöne, »kaiserliche« Panorama mit Marmolada oder Piz Boe zum Nebendarsteller.

Wenn der Klettersteig zur Nebensache wird

Denn plötzlich verstummt das Lachen, das sich den gesamten Aufstieg hinweg unweigerlich im Gesicht breit gemacht hat.

Tunneleingang zu den ersten Stellungen
Tunneleingang zu den ersten Stellungen

Die Landschaft. Der Fels. Die Aussicht. Alles nebensächlich, sobald Du Dich in einer der Stellungen im Fels wiederfindest. Dunkel, feucht, eng. Ein paar Hinweistafel, zur Zeit meiner Tour teils sehr verblichen, geben eine Erklärung für das, was sich hier vor gut einhundert Jahren abgespielt hat. Die Felsengänge selbst erzählen die Geschichte der Bedingungen, unter denen die Soldaten an der hier Dolomitenfront gelebt haben müssen.

Ein Weg, so schrecklich wie die Schönheit der Landschaft, die ihn umgibt…

Diese Geschichte und die historischen Ereignisse stehen in einem extremen Gegensatz zu der Schönheit der gesamten Region und den einmaligen Ausblicken.

Natürlich endet der Steig mit den ersten Stellungen nicht. Im Gegenteil. Er zieht sich weiter nach oben, bis knapp unter die 2800-Meter-Marke. Die anspruchsvolleren Abschnitte liegen allerdings bereits hinter uns. Und die schönen Ausblicke sind weiterhin stiller Begleiter, wie auch die Eindrücke vom Besuch der Tunnel und Höhlen.

Über einen breiten Rücken geht es weiter nach oben
Über einen breiten Rücken geht es weiter nach oben

Aufstieg auf den Piccolo Lagazuoi

Von den Stellungen aus geht es über eine breite Schulter in Richtung Gipfel. Es geht zwar teilweise steil, aber nicht wirklich ausgesetzt nach oben.

Es wird wieder felsiger, aber nie richtig ausgesetzt
Es wird wieder felsiger, aber nie richtig ausgesetzt

Aufgrund der zahlreichen Pfade und spärlichen Markierungen ist die Orientierung oft gar nicht so leicht. Vereinzelt finden sich aber Steinmännchen und ältere, rot-weiß-rote Zeichen. Wichtig ist es dabei, nicht zu weit nach rechts zu gehen, sondern unterhalb der Felswand nach oben zu steigen.

Im weiteren Verlauf wird der Pfad dann wieder deutlicher und teilweise sind auch wieder Holzbalken zur Wegbefestigung, Stufen und Drahtseile angebracht. Letztere dienen aber weniger der Sicherung sondern vielmehr als Aufstiegshilfe.

Felsband kurz vor dem Gipfel
Felsband kurz vor dem Gipfel

Erst kurz unterhalb des Gipfels kommen wieder leicht ausgesetzte Bänder. Die sind an den entscheidenden Stellen aber wiederum mit Drahtseilen gesichert, bevor der Gipfel und das 360-Grad-Panorama erreicht ist.

Der Gipfel des Piccolo Lagazuoi in der Herbstsonne
Der Gipfel des Piccolo Lagazuoi in der Herbstsonne, darunter das letzte Band des Kaiserjägersteig

Ab dem Gipfelkreuz ist der Weg breit ausgebaut. Er führt in zwei Varianten zur Bergstation der Seilbahn. Einerseits über eine kleine Felskuppe, andererseits über einen eisernen Steg an der Felswand entlang.

Der breite Weg vom Gipfel zur Bergstation
Der breite Weg vom Gipfel zur Bergstation
Eisensteg kurz vor der Bergstation
Eisensteg kurz vor der Bergstation

Abstieg über den Felsentunnel

Unterhalb der Seilbahn beginnt, gut ausgeschildert, der Abstieg in Richtung der »Galleria«, dem gigantisch langen Felsentunnel. Etwa 10 Minuten dauert der Weg bis zum Eingang. Dabei geht es abermals durch den ein oder anderen Schützengraben hindurch. Der Abstieg durch den nun folgenden 1100 Meter langen Tunnel dauert eine gefühlte Ewigkeit.

Der Zustieg zum Felsentunnel ist gut beschildert
Der Zustieg zum Felsentunnel ist gut beschildert
Zunächst steil...
Zunächst steil…
dann durch weitere Schützengräben geht es zum...
dann durch weitere Schützengräben geht es zum…
Eingang in den Felsentunnel
Eingang in den Felsentunnel

Wenn das Klettersteig-Set für den ein oder anderen bis dato ohne triftigen Grund mit nach oben geschleppt wurde, spätestens mit Beginn des Tunnels weißt Du warum. Zumindest in Sachen Helm, der gerade auf den ersten, sehr niedrigen Metern gute Dienste leistet.

Taschenlampe bzw. Stirnlampe ist, neben dem Helm und festem Schuhwerk, übrigens Pflicht! In den Gängen und Stollen ist es stockfinster!

Verschiedene Varianten im oberen Bereich - eine Stirnlampe und Helm sind Pflicht!
Verschiedene Varianten im oberen Bereich – eine Stirnlampe und Helm sind Pflicht!

Unzählige und nicht enden wollende Stufen ziehen sich von nun an talwärts. Im oberen Bereich kannst Du zwischen verschiedenen Varianten wählen. Alle führen nach unten. Und bei allen kannst Du immer wieder zu alten Schießscharten, Aussichtsposten oder MG-Stellungen abzweigen.

MG-Stellung im Felsentunnel am Lagazuoi
MG-Stellung im Felsentunnel am Lagazuoi

Am Ende des Tunnels kommt nicht nur das Tageslicht, sondern auch ein etwa eine Stunde dauernder Abstecher zum Martinsband und weiteren Stellungsanlagen.

Kurz mal ans Tageslicht
Kurz mal ans Tageslicht
Der Ausgang aus den Tunnelanlagen
Der Ausgang aus den Tunnelanlagen

Zurück zur Passhöhe geht es allerdings in die andere Richtung. Ein kurzer, einfacher Abstieg in eine kleine Schlucht führt zu einem letzten kurzen Tunneldurchstieg. Der ist nach einem kleinen, gesicherten aber unschwierigem Gegenanstieg erreicht. Dann beenden ein paar Stufen diesen eindrucksvollen Abstieg fürs Erste.

Abstieg in die Schlucht in Richtung des letzten kleinen Tunnels
Abstieg in die Schlucht in Richtung des letzten kleinen Tunnels

Jetzt sind es noch gut 30 Minuten. Und die sind deutlich entspannter. In einigen Kehren geht es hinunter auf den breiten Schotterweg und zurück zum Parkplatz.

Das Bergparadiese Fazit

Ein Klettersteig der sich wirklich lohnt. Nicht aufgrund der Schwierigkeit. Sicher aufgrund der ehrlichen Dolomiten-Landschaft. Aber in aller erste Linie aufgrund der Kombination aus Schönheit und Schrecken, der man sich einfach nicht entziehen kann!

Karte zur Tour

Im Bereich des Felsentunnels stimmen die aufgezeichneten GPX-Daten natürlich nicht. Die Gehzeiten hingegen schon.

Infos & Tipps rund um den Kaiserjägersteig

Anfahrt & Parken

Aus Richtung Alta Badia kommend erreichst Du die Bergbahn auf den Lagazuoi über St. Kassian und den Valparola Pass. Auf der Passhöhe des Falzarego Pass befindet sich die Kabinenbahn und der gebührenpflichtige Parkplatz.

Die Parkgebühr beträgt für PKW 5,00€ pro Tag.


Tipp
Wer früh genug dran ist, ergattert vielleicht noch einen Stellplatz auf dem Seitenstreifen gegenüber der Einfahrt. Aktuell ist dort kein Halteverbot.

Alle Infos Stand Oktober 2022

Einkehrtipps

Ich bin ehrlicherweise nicht eingekehrt. Aber sowohl an der Berg- als auch an der Talstation der Bahn hast Du die Möglichkeit dazu.


Lese-Tipps
Die Tour über den Lagazuoi ist ein Teilstück des Sentiero della Pace. Einem Weitwanderweg der entlang der ehemaligen Frontlinie verläuft und den meine Freundin Romy in ihrem gleichnamigen Buch ausführlich beschreibt.

Einen Überblick und eine Zusammenfassung dieses Buchs findest Du auch in meinem Blogbeitrag.



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Sportler, Blogger, Content Creator & Autor

Ich bin Björn und seit meiner frühesten Kindheit aus Leidenschaft in den Bergen unterwegs. Mit dem Mountainbike, meinen Bergschuhen oder meinem Klettersteig-Set bin ich ständig auf der Suche nach neuen Touren und Erlebnissen. Dabei darf der Genuss nicht zu kurz kommen. Ich halte mich gerne beim Trailrunning fit und bin außerhalb der klassischen Bergsaison auch gerne mit den Tourenskiern unterwegs. Auf meinem Alpin-Blog schreibe ich über meine Touren, gebe Tipps zur Tourenplanung und dem Drumherum. Mein Motto: "Life begins when you step outside!"

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