Wildes Sardinien, Wildes Blau
Auf den Spuren des Selvaggio Blu

Selvaggio Blu – der berühmte Weg und seine zahlreichen Varianten versprechen beeindruckende Erlebnisse entlang Sardiniens Küste.

Karge Ebenen mit Strohblumen und gelb leuchtendem Ginster. Schroffe Felsformationen mit steil abfallenden Wänden. Die teils undurchdringlich wirkende Macchia aus Wachholder, Lorbeer, Steineichen und Erdbeerbäumen.

Spektakuläre Aussichten sind garantiert
Spektakuläre Aussichten sind garantiert

Überall duftet es nach Kräutern und Gewürzen. Es sind die Gegensätze, die so faszinieren. Und als wäre das Fest für die Sinne  nicht schon überwältigend genug, komplettiert das leuchtende Blau des Mittelmeers die Szenerie. Der Grund unserer Reise. Das Ziel unserer Tour. Das »Wilde Blau«.

Abseilen ins Wilde Blau
Abseilen ins Wilde Blau

Im Rausch der Sinne

Wenn Du Dich auf die Wege des Selvaggio Blu begibst, findest keine hohen Gipfel. Wenn Du auf den Pfaden entlang der sardischen Ostküste wanderst, findest Du keine ausgewiesenen Wege wie wir sie aus den Alpen kennen. Wenn Du Dich auf das Abenteuer Selvaggio Blu einlässt, dann findest Du eine perfekte Symbiose aus Trekking und Klettern, aus Wasser und Fels, aus Farben und Düften. Einen wahren Sinnesrausch.

Die Bucht von Biriala
Die Bucht von Biriala

Und am Ende wirst Du Sardinien nie ganz verlassen. Du wirst in Deinen Gedanken immer wieder zu diesen Orten zurückkehren. An die Strände und Pfade, auf die Steige und Hirtenwege des Selvaggio Blu.

Wenn das Abendessen nur der Nachtisch ist

Neugierige Blicke sind auf die rot-braune Wand aus Fels und Sand gerichtet während das Meer unaufhörlich an den weißen Kiesstrand rollt. Es ist schon später Nachmittag. Immer mehr Menschen machen sich auf den Rückweg vom Strand in die Ortschaften. Einige aber beharren und verfolgen mit ihren Blicken gespannt das Treiben, gut 30 Meter über ihren Köpfen. Ihre Blicke sind auf uns gerichtet, als wir uns am Ende unseres Tourtages zum Strand von Biriala abseilen.

Letzte Vorbereitungen
Letzte Vorbereitungen

Es ist unser zweiter Tag an der Ostküste Sardiniens. Ein wirkliches Abenteuer entlang alter Hirtenwege oberhalb des türkis-blauen, nicht enden wollenden Mittelmeers. Die Abseilstelle zum Strand ist nicht die erste des heutigen Tages. Es wird auch nicht die letzte entlang unserer Tour sein.

Und doch ist sie für uns etwas besonderes. Sie führt hinunter zu unserem heutigen Nachtquartier. Dem Strand von Biriala, einer beliebten Badebucht. Die aber liegt eine gute Stunde Fußmarsch vom nächstgelegenen Parkplatz. Daher wird er schon bald einsam sein und die Bucht wird uns an diesem Spätnachmittag ganz alleine gehören. 

Einfach mal die Seele baumeln lassen
Einfach mal die Seele baumeln lassen

Einige der Badegäste kommen mit dem Boot. Doch auch die holen die Gäste schon zeitig ab. Eines dieser Boote hat unser Gepäck an Bord. Schlafsack, Isomatte, unsere Verpflegung und natürlich frisches Wasser. Das ist entlang des Selvaggio Blu Mangelware. Entweder platziert man die Verpflegung und das kostbare Nass im Vorfeld an verschiedenen Stelle, oder man wählt die Versorgung vom Meer aus.

Kurzer Klettersteig auf dem Weg zur Cala Biriala
Kurzer Klettersteig auf dem Weg zur Cala Biriala

Für das heutige Abendessen hat sich die Frau unseres sardischen Guides wieder einmal etwas Besonders einfallen lassen. Und doch ist es irgendwie nur der Nachtisch an diesem einmalig schönen Tag, in dessen Verlauf wir uns an der Schönheit und Vielfalt der sardischen Ostküste wahrhaft satt sehen konnten.

Auf den Spuren der sardischen Geschichte

Nur wenige kennen die Höhlen in denen Hirten das Wasser für sich ihre Tiere von den tropfenden Decken sammeln. So wie unsere Guide Franco, der uns sicher über die teils abenteuerlich angelegten Steige führt. Franco ist Sarde und einer der ersten, die die Wege des Selvaggio Blu begangen haben. Er war und ist auch einer derjenigen, der die Routen von der nimmermüden Macchia befreit, die sich Jahr für Jahr ihr angestammtes Terrain zurückerobern möchte.

Die Bucht von Biriala
Die Bucht von Biriala

Daher behält er in der Weite der Landschaft nicht nur die Orientierung, sondern kennt auch diese besonderen Orte entlang Küste wo die Geschichte der Sarden greifbar wird. Und er kennt die zahlreichen Varianten des Selvaggio Blu, die sich über die Jahre hinweg entwickelt haben.

Abseits der Wege und doch mittendrin

Wir sind nicht auf der Original-Route des Selvaggio Blu unterwegs. Die führt von Pedra Longa bei Baunei zur Bucht von Sisine bei Cala Gonone. Wir haben uns mit Franco eine abgewandelte Routenführung ausgesucht. Vielleicht ein wenig spektakulärer, wenn es diese Steigerung auf dem Selvaggio Blu überhaupt gibt. Vielleicht ein wenig einsamer, wenn das in dieser teils unwirtlichen und endlos anmutenden Landschaft überhaupt geht.

Küstenwandern auf dem Selvaggio Blu
Küstenwandern auf dem Selvaggio Blu

Tatsächlich aber sind in diesen späten April-Tagen nur wenige Menschen auf dem »Wilden Blau« unterwegs. Ungewöhnlich, da es doch die perfekte Jahreszeit ist. Nicht so heiss wie im Sommer, aber auch nicht zu kalt für eine Übernachtung unter freiem Himmel, mit Schlafsack und Isomatte.

Nachtlager unter freiem Himmel
Nachtlager unter freiem Himmel

Zelten ist hier verboten. Genauso wie offenes Feuer. Es gibt zwar einige ausgewiesene Zeltplätze. Die aber liegen oft oberhalb der Strände und somit ein gutes Stück von der Versorgungslinie, den Booten entfernt, die uns täglich das Nötigste bringen und dafür sorgen, dass wir auf unseren Tagesetappen neben der Kletterausrüstung nicht auch noch Schlafsack, Isomatte und Co. mitschleppen müssen. 

Wild und ungezähmt

Felsbänder und Abseilstellen mitten ins Blau des Meeres. Klettersteige und schmale Pfade. Dunkle Höhlen und grüne Wälder. Jeder Tag bringt neue Eindrücke. Hinter jeder Kurve scheint sich der Selvaggio Blu beweisen zu wollen, dass er eine der vielseitigsten und faszinierendsten Mehrtagestouren ist. Als wäre er nur aus einem Grund angelegt worden: um die ganze Schönheit des Sardiniens auf nur wenigen Kilometern zusammenzufassen.

Auf schmalen Pfaden
Auf schmalen Pfaden

Alten Hirtenwege bilden das Fundament, die Basis des Weges, den man heute als Selvaggio Blu kennt. Man fragt sich oft, wie man auf die Idee kommen konnte, aus nicht mehr als ein paar Wachholder-Stämmen und -Ästen einen Steig in einer teils senkrechten, glatten Wand anzulegen. »Ausgesetzt« beschreibt diese Pfade und Steige oft ungenügend.

Zwar ist Wachholder stark, hält großer Belastung stand, bricht nicht und trotzt Wind und Wetter. Aber dennoch sind die Ziegenhirten ungesichert und alleine in dieser rauen Felslandschaft unterwegs gewesen. Glücklicherweise verläuft unsere Tour nicht ausschließlich auf solch extremen Routen. Der Selvaggio Blu ist vielmehr eine Mischung aus Wander- und Trekkingwegen, aus Kletterpassagen, Abseilstellen und aus diesen historischen Pfaden. So viel Luft er teils unter den Füßen bietet, so viel Raum gibt er einem auch, seinen Gedanken freien Lauf zu lassen.

Nur die Sterne und das Meer

Als die Nacht über den Strand von Biriala Einzug hält, sind die Menschen und auch die Möwen verschwunden. Nur noch das Rauschen des Wellen. Nur noch die frische Brise des Meeres. Und wir mit unseren Gedanken und Eindrücken der letzten beiden Tage.

Wenn es einsam wird
Wenn es einsam wird

Morgen geht es weiter. Wieder hinauf auf die Hochebene und anschließend wieder hinunter ans Meer. Wieder auf abenteuerlichen Wegen. Und wieder durch die die wilde, immer noch ungezähmte Landschaft an der Ostküste Sardiniens.

Unsere Tages-Etappen

Hier findest Du einen Überblick und eine Zusammenfassung unserer Tagesetappen entlang der sardischen Ostküste.

Tag 1

Vom Inselinneren zur Cala Sisine

Der erste Tag hat uns von den bergigen Hochebenen auf alten Hirtenwegen zum Cala Sisine geführt.


Gehzeit
Wenig bergauf, fast nur bergab. Für die mit 13 Kilometern längste Etappe haben wir knapp 6 Stunden inklusive Pausen benötigt.

Tag 2

Von der Bucht von Sisine zum Strand von Biriala

Der zweite Tag unserer Trekking Tour auf den Spuren des Selvaggio Blu war mein persönlicher Highlight-Tag! Wenn es so einen Tag auf einer solchen Tour überhaupt geben mag. Klettersteig + Hirtenweg + 45-Meter-Abseil-Stelle.


Gehzeit
5 Stunden und 45 Minuten waren wir inklusive Pausen unterwegs. Bei etwa 7 Kilometern Wegstrecke.

Tag 3

Von der Bucht von Biriala in Richtung Grotta del Fico

Über Hirtenwege und mit tiefblauen Abseilstellen ging es am dritten Tag weiter entlang der Ostküste. Nach dem letzten Wegabschnitt hat uns unser Versorgungsboot zu einer Höhle gebracht. Unserem letzten Nachtlager am Meer.


Gehzeit
Nach 6 Stunden inklusive Pausen und 7 Kilometern war das Tagesziel erreicht.

Tag 4

Von der Cala o Porto Mudaloro über den Sentiero Urele zur Cooperativa Goloritze

Arividerci Mittelmeer. Nach einem steilen Aufstieg aus der Höhle in die Hochebene, führte unsere letzte Etappe weg von der Küste zur Cooperativa Goloritze. Weitere Höhlen und alte Hirtenunterkünfte inbegriffen.


Gehzeit
Für die 9 Kilometer haben wir 5 Stunden inklusive Pausen benötigt.

Karten und Höhenprofile der Touren

Hier findest Du die Karte mit den Tagesetappen unserer Tour.

Du kannst sie am Bildschirm ansehen, Dir die GPX-Daten herunterladen oder auch eine Tourenkarte für jede Etappe ausdrucken. Per Klick auf »Mehr erfahren« stehen Dir weitere Informationen und Funktionen zur Verfügung.

Bei den GPX-Daten, und somit auch den in den Karten eingezeichneten Routen, handelt es sich um Aufzeichnungen mittels einer Garmin-Uhr. Je nach GPS-Empfang an den verschiedenen Abseilstellen, in Höhlen oder Schluchten, können Teile der Routenführung abweichen!

Angebot
Garmin Fenix 6x pro
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Garmin Fenix 6x pro
Wir haben unsere Tagesetappen mit einer Garmin-GPS-Uhr aufgezeichnet. Auf die Uhr lassen sich auch GPX Tracks laden, mit denen Du anschließend im Gelände navigieren kannst

Packliste

Für den original Selvaggio Blu benötigt man zusätzlich zur Trekking-Ausrüstung und dem Equipment für das Biwak auch noch zwei 40-Meter-Seile sowie 3-4 Expressen. Da wir eine Variante gegangen sind, hatten wir zwei 60-Meter-Seile dabei.

Die persönliche Ausrüstung für das Abseilen am Doppelseil enthält natürlich auch Tube & Co.

Weitere Infos zur Planung und Organisation

Anreise nach Sardinien

Sardinien kann man einerseits mit dem Flugzeug, andererseits auch mit dem Schiff erreichen. Da wir auf der Insel mobil sein wollten und auch vor und nach unserer Tour entlang der Ostküste einiges vor hatten, haben wir uns für die Anreise mit dem Schiff entschieden. Und zwar von Livorno nach Golfo Aranci.

Dabei haben wir die Nachtfähre genommen und auch eine Kabine für die Überfahrt gewählt.

Bei rechtzeitiger Buchung außerhalb der Hauptreisezeit lagen die Kosten für 2 Personen mit VW Bus bei 200,00€. Es gibt mehrere Schiffslinien für die Überfahrt. Wir haben uns für die Corsica Ferries entschieden.


Beste Jahreszeit
Wir waren Ende April auf Tour. Die Tage sind noch nicht zu heiß für Wanderungen und die Nächte schon warm genug um zu biwakieren. Die Sommermonate sind definitiv zu heiß!

Verpflegung auf dem Selvaggio Blu
Die Verpflegung lässt man, zusammen mit dem Gepäck für die Nacht, am besten mit dem Schiff an den jeweiligen Schlafplatz liefern.

Zwar kann man Lebensmittel und Getränke auch im Vorfeld an den Punkten platzieren. Stellt sich aber die Frage, wie frisch das ganze nach einigen Tage noch ist. Außerdem muss man natürlich alles im Anschluss wieder abholen und hat deutlich mehr Gepäck auf jeder Etappe bei sich.

Den Materialtransport kann man am Hafen von Santa Maria Navarese organisieren.


Biwakieren oder Zelten

Zelte sind für das Biwakieren am Strand nicht erlaubt! Allerdings gibt es entlang der unterschiedlichen Strecken und Etappen ausgewiesene Zeltplätze. Diese befinden sich meist oberhalb des Strands.

Wer also mit dem Boot seine Ausrüstung bekommt, der muss das ganze Equipment zusätzlich zur Tagestour noch einmal ein paar Höhenmeter nach oben befördern und am nächsten Tag auch wieder zurück bringt!


Offenes Feuer
Nicht zuletzt aufgrund der Trockenheit und der Waldbrandgefahr, aber auch im Sinne des Naturschutz ist offenes Feuer an den Stränden verboten!

Permit

Diese Art von Trekkingtouren an der Ostküste muss man inzwischen anmelden. Man benötigt ein Permit das über das Tourismusbüro in Baunei angefordert werden kann (30€ p.P., Stand April 2022). Hier gibt man neben der Personenzahl auch immer den geplanten Streckenverlauf und auch die Übernachtungsplätze an. Es finden offenbar regelmäßige Kontrollen statt, die die Einhaltung der Regeln (kein offenes Feuer, kein Zelt) überwachen.


Geführte Touren
Viele Bergschulen bieten inzwischen Touren für den Selvaggio Blu oder seiner Varianten an. Wir wollten nicht in einer großen Gruppe unterwegs sein und haben uns daher für einen eigenen, einheimischen Führer entschieden.

Und Dank unserem Guide Franco mussten wir uns um die Anmeldung und die Verpflegung sowie den Gepäcktransport nicht kümmern!


Literatur rund um den Selvaggio Blu

Wer sich alleine auf den Selvaggio Blu macht, der sollte sich in Sachen Routenführung gut vorbereiten. Sehr hilfreich dabei: das Buch »Selvaggio Blu und Umgebung«, das unter anderem von Mario Verin geschrieben wurde. Er hat zusammen mit Peppino Cicalò den Selvaggio Blu entworfen.

Im Buch sind 41 Wanderungen beschrieben, die unter anderem auf den Routen des Selvaggio Blu verlaufen.

Passend dazu gibt es die Karte zur Tour, die in Ausschnitten auch im Buch enthalten ist.

Karte zum Selvaggio Blu, 1:15000
13 Bewertungen
Karte zum Selvaggio Blu, 1:15000
Diese Karte enthält neben den einzelnen Tagesetappen des Original-Selvaggio-Blu auch die jeweiligen Kurzbeschreibungen in italienischer und englischer Sprache
Selvaggio Blu und Umgebung (deutsch)
Buch zum Selvaggio Blu, inklusive Kartenausschnitten, der Beschreibung des Supramonte Treks und weiteren Tagestouren
Immer wieder neue Ratgeber & Touren

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Ich bin Björn und seit meiner frühesten Kindheit aus Leidenschaft in den Bergen unterwegs. Mit dem Mountainbike, meinen Bergschuhen oder meinem Klettersteig-Set bin ich ständig auf der Suche nach neuen Touren und Erlebnissen. Dabei darf der Genuss nicht zu kurz kommen. Ich halte mich gerne beim Trailrunning fit und bin außerhalb der klassischen Bergsaison auch gerne mit den Tourenskiern unterwegs. Auf meinem Alpin-Blog schreibe ich über meine Touren, gebe Tipps zur Tourenplanung und dem Drumherum. Mein Motto: "Life begins when you step outside!"

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