Wer mit einer Sehschwäche „gesegnet“ und viel draußen unterwegs ist kennt das Problem: Du willst spontan losziehen – eine Runde mit dem Rad, ein Trailrun am Abend, eine Wanderung nach der Arbeit – und stehst vor der Frage: Brille, Kontaktlinsen oder doch eine andere Lösung?
Gerade im Bergsport, beim Radfahren oder Laufen ist gutes Sehen nicht nur ein Komfortthema, sondern eine Frage von Sicherheit und Konzentration. Über die Jahre habe ich selbst verschiedene Lösungen ausprobiert. Jede hat ihre Berechtigung, für mich persönlich aber auch klare Vor- und Nachteile.
Bis auf das Augenlasern habe ich im Grunde alle Optionen die mir als Brillenträger zur Verfügung stehen schon getestet. Von den Kontaktlinsen über Sportbrillen mit geschliffenen Gläsern bis hin zu Sportbrillen mit Clip-Ins, die im Grunde eine Mischung aus den beiden erstgenannten Lösungen sind. Und bei meinen Tests habe ich von günstigen Lösungen bis hin zu teuren „Sonderanfertigungen“ auch so ziemlich alles einmal ausprobiert.

Im Falle von Clip-Ins hat mir meine Kooperation mit Marcolin einen tiefen Einblick in die Einsatz-Möglichkeiten gegeben. Bei Kontaktlinsen vertraue ich da nach wie vor auf die Kompetenz und die Qualität des „Optikers meines Vertrauens“. Bei normalen wie bei geschliffenen Gläsern habe ich auch schon Online-Händler oder Filialisten wie eyes + more getestet. Welche Lösung und welche Bezugsquelle für einen persönliche richtig ist, muss natürlich jeder für sich entscheiden. Aber um die einzelnen Optionen einmal einzuordnen habe ich meine Erfahrungen in diesen Überblick gepackt:
Sport mit Brille und geschliffenen Gläsern
Die klassischste Lösung: eine Sportbrille, bei der die Gläser direkt in Sehstärke geschliffen sind.
- sehr gute optische Qualität
- kein zusätzliches Bauteil im Sichtfeld
- kein Einsetzen oder Wechseln notwendig
- besonders angenehm bei längeren Einheiten
- spontan losziehen, sofern die Brille griffbereit ist
- hoher Preis, vor allem bei Wechselgläsern oder photochromatischen Scheiben
- weniger flexibel: eine Brille = eine Lösung
- bei Sportarten mit viel Schweiß oder wechselnder Intensität kann Beschlagen ein Thema sein
- nicht ideal, wenn Du mehrere Sportbrillen nutzt
Mein Eindruck
Perfekt für alle, die genau eine Sportart intensiv betreiben und sich eine maßgeschneiderte Lösung wünschen. Für spontane Einsätze oder sportliche Vielseitigkeit eher eingeschränkt.

Sport mit Brille und Clip-In in Sehstärke
Eine Lösung, die ich lange unterschätzt habe, die mich mittlerweile aber aufgrund der Spontanität überzeugt. Bis zu meinem Trailrun in den Dolomiten, auf dem ich die adidas SP0088 testen konnte.
Bei dieser Variante trägst Du eine normale Sportbrille (oft mit photochromatischen Gläsern) und setzt auf der Innenseite ein Clip-In mit Deiner individuellen Sehstärke ein
- sehr flexibel, da mit oder ohne Clip-In nutzbar
- ideal für Sportler, die sonst Kontaktlinsen tragen und auch mal wechseln
- schneller, spontaner Einsatz ohne Vorbereitungsaufwand möglich
- meist deutlich günstiger als komplett geschliffene Sportgläser
- Reinigung etwas aufwendiger
- Sitz muss wirklich passen, sonst kann es zu leichten Verzerrungen kommen
- höheres Gewicht
- etwas mehr Material vor dem Auge
Meine Erfahrung
Gerade für Trailrunning, Radfahren, Wandern oder Bergtouren eine extrem alltagstaugliche Lösung. Für mich die perfekte Mischung aus Flexibilität, Komfort und Sicherheit. Vor allem weil ich man nicht jedes Mal Kontaktlinsen einsetzen möchte, wenn ich „schnell mal eine Runde drehe“.
Sport mit Kontaktlinsen
Für viele Brillenträger nach wie vor der Klassiker und auch für mich nach wie vor meine erste Wahl.
- freies Sichtfeld ohne Rahmen
- kombinierbar mit jeder Sport- oder Sonnenbrille
- kein Beschlagen der Gläser bzw. kannst die Brille jederzeit abnehmen und „lüften“
- besonders angenehm bei Helm-Sportarten und natürlich auch bei Kontaktsportarten
- Vor- und Nachbereitung nötig
- Pflegeaufwand nicht zu unterschätzen, gerade bei mehrtägigen Unternehmungen (Hüttenübernachtungen etc.)
- empfindlicher bei Wind, Staub, Kälte oder sehr trockener Luft
- nicht ideal bei sehr spontanen Einheiten
Mein Fazit
Kontaktlinsen funktionieren immer, aber vor allem bei geplanten Aktivitäten. Für spontane Einheiten oder Mehrtagestouren habe ich sie jedoch immer häufiger durch eine Sportbrille mit Clip-In ersetzt.

Was ist eigentlich mit Augenlasern?
Natürlich gibt es noch eine weitere Option: Augenlasern. Hier kann ich aber nicht aus eigener Erfahrung sprechen.
Für viele Menschen ist das eine gute und dauerhafte Lösung . Für mich persönlich kam das jedoch nie in Frage. Das Lasern der Augen ist eine sehr individuelle, medizinische Entscheidung. Hier sollten ärztliche Beratung, persönliche Lebensumstände und ein gutes Bauchgefühl immer im Vordergrund stehen. Es ist keine Abkürzung, sondern ein bewusster Schritt.
Mein persönliches Fazit
Es gibt nicht „DIE“ perfekte Lösung für alle sportlichen Brillenträger. Aber es gibt für jeden die passende Kombination aus Sicherheit, Komfort und Flexibilität.
Für mich hat sich gezeigt:
- Kontaktlinsen sind praktisch, aber aufwendiger
- geschliffene Sportgläser sind hochwertig, aber wenig flexibel
- Clip-In-Sportbrillen bieten einen guten Kompromiss für einen aktiven Alltag
Am Ende zählt eines: Du musst Dich sicher fühlen, gut sehen und Dich voll auf das Erlebnis draußen konzentrieren können. Denn genau darum geht es am Berg – und nicht um Kompromisse bei der Sicht.
Bei der Wahl der Gläser Deiner Sportbrille solltest Du übrigens Wert auf einen guten Kontrast legen. Kontrastreiches Sehen ermöglicht Dir gerade bei schnelleren Sportarten, wie beim Berglauf, Gefahrensituationen oder heikle Stellen schneller und besser einzuschätzen. Das bitte mehr Sicherheit und letztlich mehr Spaß am Sport. Ich persönlich finde es auch immer gut, wenn die Farben der Umgebung nicht zu sehr verfälscht werden.
Auch hier gibt es sehr große Unterschiede bei den verschiedenen Gläsern. Seit dem letzten Sommer teste ich die Gläser von Colorboost, die sich in nahezu jeden Rahmen einsetzen lassen und ein fantastisch-echtes Seherlebnis bieten. Aber das ist eine andere Geschichte…

