Tiefblick vom Mindelheimer Klettersteig auf die Fiderepasshütte

Hüttenwanderungen und Alpenüberquerungen mit Plan – eine Checkliste des VDBS

Die Übernachtung auf einer Berghütte ist oftmals der krönende Abschluss Bergwanderung.  Die Stille nach dem Abstieg der Tagesgäste, ein gemütlicher Hüttenabend, ein klarer Morgen inmitten der Bergwelt und die frische Bergluft geben unvergessliche Eindrücke und Erinnerungen.

Auch mehrtägige Hüttentouren, insbesondere Alpenüberquerungen, liegen voll im Trend und bieten Bergerlebnisse in ihrer schönsten Form.

Zimmer mit Ausblick, morgens am Wildseeloderhaus
Frühmorgens auf einer Hütte in den Bergen: einmalig!

Damit die Vorbereitung für Mehrtagestour und Hüttenübernachtung gelingt hat der Verband Deutscher Berg-und Skiführer e.V. (VDBS) eine Checkliste erstellt und wichtige Hinweise zusammengefasst

Checkliste des VDBS für Wanderungen von Hütte zu Hütte

Wichtiges und Wissenswertes vor Deiner (ersten) Hüttentour

Wer schon einmal auf einer Hütte übernachtet hat weiß es: Berghütten bieten unvergleichliche Bergerlebnisse, sind aber kein Hotel in den Bergen und bieten somit nicht unbedingt W-LAN oder Einzelzimmer nach Hotelstandard. Üblich sind Mehrbettzimmer oder Matratzenlager  und gemeinschaftliche Sanitäranlagen. Auch Duschen sind mitunter nicht vorhanden.

Im Grunde ist das selbstverständlich, vielen „Hüttentouren-Neulingen“ im Vorfeld aber nicht bewusst. Wer sich aber auf den einfacheren Standard einstellt, bekommt die Möglichkeit die Berglandschaft mit anderen Augen sehen und erleben können. Wichtig ist aber die richtige Planung der Tour.

Am Prinz-Luitpold-Haus
Eine typische und beliebte Alpenvereinshütte: das Prinz-Luitpold-Haus

Einer der verbreitetsten Fehler ist die Etappenlänge. Gerade bei mehrtägigen Touren sollten die Streckenlängen, im Vergleich zu Tagestouren, durchaus kürzer sein. Du solltest bedenken dass nahezu die komplette Erholung entfällt, wenn es ohne Ruhetag direkt zum nächsten Tagesziel geht.

Gerade in der Hochsaison ist außerdem die Reservierung auf den Hütten im Grunde ein Muss. Denn: ist die Hütte voll belegt und ein Talabstieg aus alpinistischer Sicht vertretbar, dann kann es durchaus passieren, dass Gäste abgewiesen werden. Natürlich gehört auch das Absagen und Stornieren von nicht benötigten Hüttenplätzen zu gelebter Praxis und zum guten Ton! Es erleichtert den Hüttenwirten die Planung und schützt Dich vor eventuellen Stornogebühren.

Zu guter Letzt ist das Prüfen eines regionalen Wetterberichts elementar! Gerade bei Durchquerungen über verschiedenen Regionen hinweg, können sich die Bedingungen lokal stark unterscheiden. Auch die Zustände der Wege, insbesondere nach dem Winter, oder lokale Sperrungen sollten im Vorfeld geprüft und erfragt werden.


Herausforderungen auf der Tour
Auskunft über die Schwierigkeit eines Weges geben die SAC-Wanderskala oder auch die farbigen Markierungen auf Wegweisern.

Dennoch kann sich wetterbedingt ein Weg immer wieder anders darstellen, als eventuell beschrieben! Außerdem solltest Du bei einem plötzlichem Wetterumschwung oder einem Gewitter in den Bergen genau wissen, wie Du Dich verhalten solltest.


Was nehme ich als Gepäck mit auf eine mehrtägige Bergtour?

Was muss unbedingt in den Rucksack, was bleibt besser im Tal? Ein zu schwerer Rucksack ist auf längeren Touren unnötig anstrengend und unbequem zu tragen. Wichtige Gegenstände hingegen sollten nicht fehlen. Der VDBS rät, dass der Rucksack für eine einwöchige Tour höchstens acht Kilo wiegen sollte.

Mit hinein gehören in jedem Fall Wechselwäsche für die Hütte sowie auf die geplante Tour und die zu erwartende Witterung angepasste Bekleidung. Je länger die Tour, desto eher sollte auch an unplanbare Situationen wie Wetterstürze gedacht werden.

Zur Standardausrüstung gehören außerdem ein Hüttenschlafsack, eine Stirnlampe. Und in den großen Lagern können auch Ohrstöpsel für die Nacht nicht schaden.

Was gehört bei einer Bergtour in den Rucksack?
Was gehört bei einer Bergtour in den Rucksack?

Bei der Verpflegung lässt sich übrigens einiges an Gewicht sparen. Diese kannst Du leicht auf Hütten von Tag zu Tag kaufen. Das unterstützt nicht nur die meist regionalen Erzeuger, sondern auch die Hüttenwirte. Die verdienen in der Regel an der Verpflegung und nicht an der Übernachtung.

Wie packe ich meinen Rucksack richtig?

Die Grundregel lautet, die schweren Teile möglichst nah an den Rücken zu packen. Dadurch kann das zusätzliche Gewicht leichter ausbalanciert werden, weil der Körperschwerpunkt sich nicht zu weit vom Rücken entfernt.

Der Vorteil: Du hast somit mehr Kontrolle über Deine Bewegungen, und das ist gerade in technisch anspruchsvollen Passagen am Berg wichtig. Leichte Gepäckstücke, wie eine Daunenjacke, gehören ganz unten in den Rucksack. Eine gute Rucksackgröße für Mehrtagestouren: 30 – 35 Liter Volumen.

Wie verhalte ich mich auf der Hütte?

Morgens früh auf, im Schlafraum im Stirnlampenlicht den Rucksack packen und dann in voller Montur lautstark zum Frühstück oder mitten in der Nacht die Tourenplanung durchgehen. Rücksichtsvoll geht anders!

Auch wenn Du früh starten möchtest: den Rucksack kannst Du schon am Vorabend fertig packen und die Kleidung für den Tag auch schon beiseite legen.

Gut vorbereitet kannst Du nach einer Nacht in Ruhe das Frühstück genießen, gegebenenfalls die Verpflegung für den Tag beim Hüttenwirt besorgt werden und entspannt losgehen.

Sinnvoll ist noch ein Eintrag in das Hüttenbuch. Er gibt Auskunft über das nächste Ziel und ist eine enorme Erleichterung für Rettungskräfte im Falle eines Unfalls.

Einblick in ein Lager des Prinz-Luitpold-Haus

Bergschuhe sind in den Schlafräumen übrigens tabu. Dafür gibt es im Eingangsbereich der Hütte entsprechende Regal, oder einen Trockenraum, wo man auch seine feuchte Kleidung aufhängen kann. In die Schlafräume gehts dann mit Deinen passenden Hüttenschuhen.

Sicher unterwegs mit professioneller Begleitung

Gerade für unerfahrene Berggänger oder Einsteiger in Mehrtagestouren kann sich ein Bergführer durchaus lohnen.

Zahlreiche Bergschulen bieten geführte Hüttentouren an. Das Spektrum reicht von Wochenendtouren bis hin zur längeren Gebietsdurchquerungen.

Der Abstieg von der Rüsselsheimer Hütte zum Wanderparkplatz im Pitztal

So fällt gerade bei der ersten großen Tour der Organisationsstress weg, man kann sich voll und ganz auf das Gehen konzentrieren und sammelt zudem Informationen für die nächste, vielleicht eigenständig geplante Tour.

Auch im Hinblick auf eventuelle Gefahren auf dem Weg oder Wetterumstürze hat man mit einem Bergführer ein höheres Maß an Sicherheit und kurzfristige Umstellungen des Streckenplans (aufgrund des Wetters oder etwaiger Wegsperrungen) sind kein Problem. Ein weiterer Pluspunkt: der Bergführer kennt die Region und kann auch zu den Bergen rundherum wertvolle Infos und Tipps geben.

Sehnsucht Alpenüberquerung

Eine Alpenüberquerung gilt Vielen als Königsdisziplin bei Mehrtagestouren.

Allerdings sind gerade Klassiker wie Oberstdorf – Meran oder auch  München – Venedig sehr beliebt und bedürfen einer längeren Planung. So empfiehlt der VDBS die Quartiere auf einer Alpenüberquerung mindestens ein Jahr im Voraus zu buchen.

Ein weiterer Tipp ist das Ausweichen auf weniger bekannte Überquerungen in ruhigeren Regionen. Empfehlenswert ist außerdem, eine Variante mit möglichst wenigen Transfers auf und zwischen den Etappen zu wählen. Damit steigt der Wandergenuss, gleichzeitig sinkt der Organisationsdruck.


Inspiration & Tipps
Viele praktische Tipps und Inspiration zu Weitwanderwegen findest Du auf Etappen-Wandern.de.

Beste Jahreszeit für Alpenüberquerungen
Die beste Jahreszeit für Alpenüberquerungen ist zwischen Juli und September. Früher im Jahr können oft noch Altschneefelder oder defekte Wegabschnitte angetroffen werden. Später im Jahr steigt wiederum das Risiko von Wintereinbrüchen.

zusammengefasst…

Checklisten für Hüttenwanderungen und Alpenüberquerungen

Checkliste 1
die Vorbereitung
  • sind die Hütten reserviert?
  • habe ich mich im Vorfeld erkundigt, ob Hunde mit auf die Hütte dürfen?
  • sind die Etappenlängen meinem Können entsprechend ausgelegt?
  • welche Schwierigkeiten erwarten mich?
  • sind Transfers und ist eventuell der Rücktransport organisiert?
  • wie stellt sich der regionale Wetterbericht regional dar?
Checkliste 2
das Gepäck
  • habe ich Bekleidung für alle denkbaren Bedingungen eingepackt?
  • ist Wechselwäsche und Hüttenschlafsack dabei?
  • was kann ich an Überflüssigem zu Gunsten des Gewichts weggelassen?
  • ist der Rucksack richtig gepackt?
Checkliste 3
auf der Hütte
  • rücksichtsvolles Verhalten – Rucksack schon am Vorabend packen
  • Ruhezeiten beachten
  • pünktlich zu den Mahlzeiten erscheinen
  • bereits am Vorabend des Abmarschs bezahlen – oft nur bar möglich!
  • eigenen Müll mit ins Tal nehmen
  • ins Hüttenbuch eintragen und nächstes Ziel angeben, damit im Notfall nachvollzogen werden kann bis wohin jemand gegangen ist und wanner wohin aufgebrochen ist
Über den VDBS: Als Berufsverband 1969 gegründet, schafft der VDBS dafür die optimalen Rahmenbedingungen und repräsentiert die alpine Elite Deutschlands. Zu unserer Seilschaft zählen rund 700 staatlich geprüfte Berg-und Skiführer,Bergwanderführer und Kletterlehrer, darunter bekannte Bergsteigergrößen wie die Huber Buam, Dörte Pietrono der Sigi Hupfauer. Zum Team gehören die „klassischen“ Bergführer als alpine Tausendsassas, aber auch hochspezialisierte Experten wie fürs Klettern oder Canyoning. Und weil unsere Ziele und Visionen grenzenlos sind, vertreten wir die Interessen unserer Mitglieder auch in der Internationalen Vereinigung der Bergführerverbände (IVBV / UIAGM). Denn nicht nur in Deutschland sind wir zentraler Ansprechpartner bei allen Fragen rund um die Themen Bergsport, Führung und Sicherheit.
Folge uns Björn von Bergparadiese.de:

Sportler, Blogger, Content Creator & Autor

Ich bin Björn und seit meiner frühesten Kindheit aus Leidenschaft in den Bergen unterwegs. Mit dem Mountainbike, meinen Bergschuhen oder meinem Klettersteig-Set bin ich ständig auf der Suche nach neuen Touren und Erlebnissen. Dabei darf der Genuss nicht zu kurz kommen. Ich halte mich gerne beim Trailrunning fit und bin außerhalb der klassischen Bergsaison auch gerne mit den Tourenskiern unterwegs. Auf meinem Alpin-Blog schreibe ich über meine Touren, gebe Tipps zur Tourenplanung und dem Drumherum. Mein Motto: "Life begins when you step outside!"

2 Antworten

  1. Romy von EtappenWandern

    Schöner Artikel! Man kann gar nicht oft genug wiederholen, dass man an Anfang defensiv Planen muss und es langsam angehen sollte. Das ist eben wie bei der Hüttentour selbst: Es ist kein Sprint, sondern ein Marathonlauf.

    Und lieben Dank für die Verlinkung 🙂

    • Björn von Bergparadiese.de

      Danke. Ja, das mit der defensiven Planung ist heute wichtiger denn je. Viele überschätzen sich einfach oder unterschätzen die Gefahren, die am Berg nun einmal auch unerwartet auftreten können. Bei uns in der Region gibt es nahezu täglich Meldungen von Verunglückten oder Rettungsaktionen. Viele könnten mit einer gute Planung vermieden werden. Und im Zweifel – gerade bei Anfängern – ist ein Bergführer manchmal nicht die schlechteste Idee 😉 LG

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.