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Geierwand-Klettersteig bei Imst

Die Sonne scheint vom höchsten Punkt auf den grauen, festen Fels. Ein leichter Windhauch streift die Wand entlang. Der Himmel ist strahlend blau. Auf der gegenüberliegende Seite des Inntals sind die im Schatten liegenden Felder noch immer mit Raureif überzogen, und die hohen Gipfel ringsherum sind mit einem weißen Tuch bedeckt. 

Es ist der 12. Januar 2020, als wir in den steilen Felswänden oberhalb der Inntal-Autobahn stehen. Kaum zu glauben, dass es Januar ist. Kaum zu begreifen, dass die äußeren Umstände eine Begehung des Geierwand-Klettersteigs möglich machen. Und dennoch beweist uns dieses unermüdliche Grinsen im Gesicht, dass es wahr ist.

Steil aber gut gesichert
Steil aber gut gesichert

Wir wollten die Geierwand schon vor Weihnachten in Angriff nehmen. Damals hat uns das Wetter nur wenige Tage zuvor einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir hatten daher an eine Begehung in diesem Winter schon nicht mehr so recht geglaubt. Dadurch hatten wir letztlich eine herrliche Vorweihnachtszeit in Arco erleben dürfen. Aber so wie die Zeit damals reif für den Colodri war, so war sie es an diesem Sonntag im Dezember für die Geierwand.

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Das liest Du in diesem Beitrag

1. Der Zustieg zum Klettersteig
2. Der Einstieg in die Geierwand
3. Die Inntalblick-Seilbrücke
4. Abstieg vom Klettersteig ins Inntal
5. Unser Fazit
6. Parken, Topo, Dauer, Alternativen

Die Nacht hatten wir in unserem VW Bus bei Längenfeld verbracht. Auf dem Campingplatz »Camping Ötztal«, der zu dieser Jahreszeit genügend Platz bietet. Vom Platz und den sanitären Einrichtungen waren wir begeistert. Die minus 8 Grad Celsius, die uns das Thermometer am Morgen anzeigte, versetzten uns nicht gerade in Eile. Und so haben wir den Vormittag ganz gemütlich in einer Bäckerei bei einem leckeren Frühstück verbracht, bevor wir die etwa 30 Minuten nach Haiming ins Inntal gefahren sind.

Wohlwissend, dass für diesen Tag Plus-Grade für Haiming hervorgesagt waren, hatten wir uns wenig Sorgen um zu niedrige Temperaturen in der Wand gemacht. Schließlich bekommt der nach Süden ausgerichtete Fels früh und lange Sonne ab. Uns so machten wir uns auf den Weg.

Zustieg zum Klettersteig

Der Zustieg zum Geierwand-Klettersteig beginnt am Parkplatz beim Rafting Center von Haiming, auf der linken Inn-Seite. Nach einem kurzen, etwa 15 minütigem Zustieg, beginnt das Klettersteigabenteuer. Der Schwierigkeitsgrad von C wird in der gesamten Felswand nicht überschritten. Kaum zu glauben, wenn man die teilweise senkrechte Wand aus der Ferne betrachtet. Zahlreiche Klammern machen es aber möglich. Auf den plattigen Abschnitten findet man auch immer wieder gute Griffe und, wenn auch teils kleine, Tritte.

Die Geierwand kann man von unten bis oben einfach nur genießen. Vor allem der Ausblick ins Inntal, entlang der steilen Wand, ist atemberaubend schön. Der Klettersteig selbst macht richtig Spaß. Immer wieder ist Technik gefragt, was das Klettern so interessant und kurzweilig macht. Dann trifft man wieder auf gute Standplätze, die einen entspannten Blick in das weite Tal erlauben.

Einstieg in die Wand

Vom Einstieg geht es nahezu das gesamte erste Drittel des Steigs im Schwierigkeitsgrad A/B bzw. B nach oben. Am kleinen Gamsband kommt von links der alternative Zustieg (siehe unten) dazu. Über mehrere Stufen schlängelt sich der Steig nach oben auf ein etwas größeres Band. Hier warten die ersten Herausforderungen im Grad B/C. Über eine mit Klammern gespickte Wand geht es senkrecht nach oben, bevor die Schwierigkeiten wieder abnehmen und es in leichter Kletterei zu einer Ruhebank geht.

Die Inntalblick-Seilbrücke

Nun biegt der Klettersteig in eine Rinne ein und führt zur bereits sichtbaren Seilbrücke. Kurz, aber mit einem herrlichen Blick, geht es über die Inntalblick-Seilbrücke. Dann beherrschen die Klammern wieder die Wand und es geht mitunter sehr steil hinauf in Richtung großes Gamsband.

Kurz vor dem Band ist ein kurzes Gehstück zu absolvieren, bevor der Geierwand-Klettersteig geradezu gemütlich in der Schwierigkeit A/B ausklingt.

Abstieg vom Klettersteig ins Inntal

Vom Ausstieg weg geht es zunächst wellig durch den Wald zu einer Bank. Hier befindet sich auch das Steigbuch. Dort kann man sich des Klettersteig-Sets entledigen. Der Abstieg hinunter zum Inn beginnt moderat durch den Wald. Schließlich wird er Abstieg immer steiler, aber nie ausgesetzt. Drahtseile unterstützen größtenteils beim Abstieg, doch ich war auch für die eingepackten Stöcke dankbar, die auf dem schottrigen und teils losen Untergrund zusätzlichen Halt geboten haben.

Der Ausstieg aus dem Geierwand-Klettertsteig
Der Ausstieg aus dem Geierwand-Klettertsteig

Unser Fazit

Der Geierwand Klettersteig war für uns einer der schönsten Steige der vergangenen 12 Monate. Der Ausblick in das weite Inntal ist mit sicher das Highlight der Tour. Der Steig hat ohnehin seinen ganz eigenen Charakter und seine eigene Geschichte. Hier war es mit Sicherheit auch die ungewöhnliche Jahreszeit, zu der wir die Geierwand besuchen durften.


Zahlen, Fakten, Informationen

Ausgangspunkt dieser Klettersteig-Runde ist Haiming im Inntal. In Haiming folgt man den Schildern in Richtung Rafting-Center, quert den Inn, und hält sich direkt nach der Brücke rechts. Nach ein paar hundert Metern ist der kostenfreie Parkplatz am Inn erreicht. Hier beginnt nicht nur der Zustieg zum Geierwand Klettersteig, sondern auch zu verschiedenen Kletterfelsen.

Übersicht Kletterwände und Klettersteig Haiming-Ochsengarten
Übersicht Kletterwände und Klettersteig Haiming-Ochsengarten
Direkt vom Parkplatz weisen Schilder den Weg. Zunächst geht es über die Inntal-Autobahn, bevor ein steiler, schottriger Pfad in kleinen Serpentinen zum Anseilplatz führt. Der überdachte „Knappenlocheinstieg“ ist nach etwa 15 Gehminuten erreicht.

  • Schwierigkeitsgrad C
  • Die Länge des Steigs ist mit 350 Höhenmetern angegeben
  • Die Zeit im Steig beträgt laut Literatur 2,5 Stunden; wir haben den Klettersteig, ohne zu hetzen, nach etwa 1,5 Stunden verlassen
  • Rastplätze: im Steig gibt es an zahlreichen guten Standplätzen genügend Möglichkeiten durchzuschnaufen; unterhalb der Seilbrücke befindet sich zudem eine Ruhebank („Löwenbank“), eine weitere ein paar hundert Meter nach dem Ausstieg
  • Für den steilen Abstieg muss man in etwa 1 Stunde einplanen
  • Hier die Übersicht über den Klettersteig. Die Schwierigkeitsgrade differieren teils zu denen in der Literatur. Daher findest Du eine weitere Topo unter folgendem Link: via-ferrata.de
Topo Geierwand Klettersteig
Topo Geierwand Klettersteig
Unterhalb des Knappenlocheinstiegs kann man linker Hand einen alternativen Einstieg (B) über den Klettergarten wählen. Anschließen gelang man über leicht gestuftes Gelände zum kleinen Gamsband, hält sich rechts zum eigentlichen Steig, oder klettert noch ein paar Meter weiter bergauf bis zu einer Stufe (siehe auch Topo). Dort trifft man wieder auf die Hauptroute. An der Topo des Steigs, die am Parkplatz bei Haiming angebracht ist, liest man, dass die beiden Knotenpunkte am kleinen Gamsband und etwas höher auch als Aufstiegsvarianten genutzt werden können. Somit kann der Klettersteig deutlich verkürzt und die hohen Schwierigkeiten ausgelassen werden. Allerdings muss man die Wand teilweise wieder abklettern.

 


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